Denis Thériault: Die Verlobte des Briefträgers

Eine geradezu weltumspannende, verzaubernde Liebesgeschichte präsentiert uns Denis Thériault mit seinem Roman "Die Verlobte des Briefträgers". Zentraler Ort des Geschehens ist Montreal in Kanada. Aber auch Gouadeloupe und München spielen eine Rolle. Und nicht zuletzt ziehen sich Haikus, die minimalistische Gedichtkunst Japans, als Lebensader und roter Faden durch die Erzählung.

Denis Thériault: Die Verlobte des Briefträgers
Denis Thériault:
Die Verlobte des Briefträgers

Worum geht es im Buch?


Tanja arbeitet als Kellnerin in einem kleinen Restaurant in Montreal. Einer ihrer Stammgäste ist Bilodo, ein schüchterner Briefträger mit einem Faible für Kalligraphie, in den sie heimlich verliebt ist.

Nach dem tragischen Unfalltod eines anderen Stammgastes, beginnt Bilodo, sich mit japanischer Dichtkunst zu beschäftigen und Haikus zu schreiben. Tanja bemüht sich sehr, sich Bilodo auf diesem Weg zu nähern und beginnt ebenfalls, Haikus zu verfassen.

Als Bilodo dann selbst Opfer eines Unfalls wird und sein Gedächtnis verliert, beschließt Tanja, sich als seine Verlobte auszugeben und mit einer erfundenen gemeinsamen Vergangenheit endlich sein Herz zu erobern.

Doch dann kehrt Bilodos Erinnerung zurück ...

Meine Meinung und Fazit


Für mich birgt dieser Roman neben einer bezaubernden franko-kanadischen Leichtigkeit und einem kleinen Schuss karibischer Hitze auch die erfrischende Kühle Japans. Hier begegnen sich zwei zarte, schüchterne Seelen, die die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben glauben. Doch während Tanja Bilodo anhimmelt, scheint er sie nicht wahrzunehmen und ist voller Leidenschaft für eine andere, ferne Schönheit.

Bestimmendes Symbol für den Verlauf der Geschichte ist das japanische Symbol des Kreises Ensō. Einige Geschehnisse wiederholen sich auf rätselhafte Weise. Und gerade, als alles zu einem glücklichen Ende zu kommen scheint, schließt sich der Kreis erneut.

Immer wieder gelingt es Thériault, überraschende Details hervorzuzaubern. Eine Figur, die zunächst nur am Rand erschien, spielt plötzlich eine zentrale Rolle. Das Symbol des Kreises, aufgegriffen in der Nummerierung des Schlusskapitels, bestimmt im Rückblick betrachtet den Verlauf der Geschehnisse. Auch die eingestreuten Haikus, ihrer strengen Form gemäß eine große Herausforderung für die Übersetzerin, setzen sich gegen Ende des Romans zu einem Bild zusammen.

Mein Fazit: Wer fränzösische, leicht verrückte Liebesgeschichten mag, der dürfte Vergnügen an der Lektüre dieses Romans finden. Ich persönlich hätte mir einen anderen Schlussakkord gewünscht - doch das Ende passt in die Geschichte und fügt sich nahtlos in das die Handlung bestimmende Symbol des Kreises.

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Denis Thériault: Die Verlobte des Briefträgers
dtv premium, 205 Seiten, broschiert,
ISBN 978-3-423-26164-7, Preis: 14,90 Euro [D]

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