Marc Elsberg: Zero - Sie wissen, was du tust

Bekannt wurde der in Wien geborene Autor Marc Elsberg bereits durch seinen Beststeller "Blackout". Mit seinem zweiten spannungsgeladenen Roman "ZERO - Sie wissen, was du tust" legte er bereits 2014 ordentlich nach. Beide Bücher wurden von "bild der wissenschaft" ausgezeichnet als "Wissensbuch des Jahres" in der Rubrik Unterhaltung. Jetzt ist ZERO als Taschenbuch erschienen.

Worum geht es im Buch?


Es geht um unsere mögliche (digitale) Zukunft, die in den Augen des Autors längst Realität geworden ist. Konzerne wie Google, Facebook und amazon sammeln unsere Daten und bieten uns an, unser Leben zu vereinfachen, zu perfektionieren, uns zu "verbessern". Wir geben ihnen unsere Daten, Informationen über unser Leben, unsere Anschauungen und Werte. Im Gegenzug bekommen wir kostenlose Programme, Dienstleistungen und Optimierungs-Tipps. Unsere Daten sind längst zur digitalen Währung geworden.

Im Roman ist es das Unternehmen FreeMee, das mittels sozialem Netzwerk und digitaler "Spielzeuge" wie Datenbrillen, Smartwatches und ActApps seinen Nutzern die Möglichkeit eröffnet, all ihre persönlichen Daten zu sammeln und daraus in jeder Hinsicht Kapital zu schlagen. Mit ausgefeilten Algorithmen lernen die digitalen Assistenten die Nutzer immer besser kennen und können sie beraten.

Doch es werden auch kritische Stimmen laut. Das Unternehmen FreeMee streicht immer größere Gewinne ein. Die Nutzer ändern ihr Verhalten, orientieren sich an einer Art Punktesystem von FreeMee, das letztlich auch für sie selbst bares Geld und mehr Lebensqualität bedeuten soll. Doch ist das wirklich so? Wie weit geht die Beeinflussung der Nutzer - handeln sie tatsächlich aus eigenem Antrieb oder werden sie manipuliert? Und auch staatliche Stellen, die mittels Überwachungs- und Datenauswertungstechnologie für die Sicherheit der Bürger eintreten wollen und sollen, scheinen keine ganz so weiße Weste zu haben.

Meine Meinung und Fazit


Schon zum ursprünglichen Erscheinungstermin wurde das Buch von der Realität eingeholt. Facebook gab zu, bereits 2012 mit den Emotionen seiner Nutzer ohne deren Wissen experimentiert zu haben, indem die Inhalte der Timeline beeinflusst wurden. Andere Unternehmen folgten mit ähnlichen Geständnissen.

Marc Elsberg gelingt es, die Fragen rund um Datenschutz, Privatsphäre und unbemerkte Manipulation in eine durchweg spannende Handlung einzubetten. Zunächst scheint alles durchaus positiv, die Möglichkeiten moderner Technologien scheinen die Menschen in ihrem persönlichen Streben und ihrer Entwicklung zu bereichern und unterstützen. Der Funke Misstrauen scheint ungerechtfertigt. Doch bei aller Transparenz, die von den Nutzern gefordert und den Nutzern vorgegaukelt wird, legen die Unternehmen selbst ihre "Geschäftsgeheimnisse" und Algorithmen nicht offen dar. Ein Blackbox, der man vertrauen muss, wenn man von ihr profitieren will.

Doch wissen wir wirklich, was die Unternehmen mit dem digitalen Abbild unseres Selbst jetzt oder in der Zukunft anstellen wollen und können? Je mehr kleine Datenbrocken zusammengeführt werden, desto genauer wird unser digitales Profil, desto leichter wird es, unsere "Schwachstellen" auszunutzen, uns zu manipulieren - ohne, dass wir es überhaupt bemerken.

Das Buch lässt mich mit einem beklemmenden Gefühl zurück, signalisiert mir aber zugleich, dass eine Verweigerung gegenüber dieses Techniken auch nicht zielführend sein wird. Längst sind wir alle in einer Art digitalem Ranking positioniert. Eine Verweigerung - so der Autor - führt letztlich nur zu einem deutlich negativerem Ranking, aber keinem "Entkommen" hieraus. So bleibt also nur, aktiv für Transparenz einzutreten, bewusst mit den neuen Möglichkeiten umzugehen und für das Recht auf Privatsphäre und digitale Selbstbestimmung einzutreten - soweit das eben möglich ist.

Ein ganz klarer Lese-Tipp für alle, die sich bisher ohne große Bedenken, mit Begeisterung und Grundvertrauen in die Welt von Google, Facebook, WhatsApp & Co. begeben!

Bibliographische Angaben


Marc Elsberg, ZERO - Sie wissen, was du tust
Verlag Blanvalet, Taschenbuch, 495 Seiten
ISBN 978-3-7341-0093-2, Preis: 9,99 Euro (D)

Online hier bestellbar.

Keine Kommentare: