Matthias Horx: "Zukunft wagen"

Gerade zum Start eines neuen Jahres fragen sich viele: Wie wird die Zukunft? In einem Punkt ist man sich hierbei meist einig: In der (fernen) Zukunft wird alles ganz anders als heute sein. Positive wie negative Technik-Träume verschiedenster Couleur, aber meist auch Katastrophen spielen die Hauptrolle. Umwelt- und Naturkatastrophen, Überwachungsszenarien, Finanzkrisen, Kriege ... Es wird in der Regel ganz schlimm kommen, bevor es (vielleicht) besser wird. Und das erzeugt eine diffuse Angst vor dieser fernen, aber irgendwie doch nahen Zukunft.

Angst vor der Zukunft ist schädlich


Doch passt diese Zukunftsangst zu unseren bisherige Erfahrungen? Nützt oder schadet uns diese Angst? Wie können und sollten wir mit ihr umgehen? Diesem Thema widmet sich der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx in seinem Buch "Zukunft wagen"* mit vielen, teils sehr persönlichen Beispielen, Anekdoten und Geschichten. Und er kommt zu dem Schluss, dass die negative, angstvolle Sicht auf die mögliche Zukunft uns in jeder Hinsicht schadet: Gesundheitlich, weil die ständige Angst Stress erzeugt, aber auch gesellschaftlich, weil aus dieser Angst-Haltung gegenseitiges Misstrauen, Feindschaft und letztlich Kriege entstehen können.

Dass ein Flugzeug abstürzt bedeutet nicht automatisch, dass Fliegen unsicher ist. Dass in einem Krankenhaus ein Hygiene-Skandal aufgedeckt wird, bedeutet nicht automatisch, dass alle Krankenhäuser eine Bedrohung für unsere Gesundheit sind. - Dennoch neigen wir laut Horx dazu, in den "Vergleichsirrtum" zu verfallen, bei dem wir einzelne Ereignisse mit einer Wahrscheinlichkeits-Steigerung gleichsetzen.

Wir suchen nach Gründen, nach Ursachen für Ereignisse - zum Beispiel beim Krebs. Schadstoffe, ungesunde Lebensweise werden oft als Ursache für die Entstehung von Krebs angesehen. Doch Krebs lasse sich nicht vermeiden, er sei ein Zufallsprodukt und entstehe nur durch Zellmutation. Ohne Grund, unkontrollierbar, unvermeidbar. Sämtliche Vermeidungsstrategien führen letztlich nicht zum gewünschten Erfolg, sie machten das Leben höchstens mühsamer.

Gelassenheit als Schlüssel im Umgang mit dem Unvorhersehbaren


Horx plädiert für eine gelassenere Haltung und weniger Anspruchsdenken im Hinblick auf die Zukunft. Ganz im Sinne der rheinischen Weltsicht*: "Et kütt wie et kütt" und "Et hätt noch emmer joot jejange". Die Strategie, potenzielle Risiken zu suchen und vermeiden, gehöre in die Steinzeit und mache nur dort wirklich Sinn. Heutzutage sollten wir die Chancen suchen, sehen und nutzen.

Die (Um-)Welt ist in Horx' Augen ein viel robusteres und komplexeres System als wir üblicherweise denken. Neue Techniken, bewussterer Umgang mit vorhandenen Ressourcen - immer wieder habe sich gezeigt, dass die viel beschworenen Untergangsszenarien letztlich zu simplifizierend ausgelegt waren und sind. Was kommt, ist nur bedingt vorhersehbar.

Gelassenheit und ein Loslassen im stoischen Sinne führen zu mehr Lebensmut und weniger Sorgen um die Zukunft. Im Klappentext formuliert Horx es so: "Es geht um unsere Haltung zur Zukunft, um magisches Denken, um Irrtümer, Selbsttäuschungen und ihre Überwindung."

Mein Eindruck und Fazit


Gelassenheit, Vertrauen und Optimismus sind durchaus erstrebenswert, sofern sie nicht in Gutgläubigkeit, Naivität und Leichtsinn umschlagen. Da wir aber offensichtlich in der Masse dazu neigen, das Negative stärker zu sehen und gewichten, ist Horx' Aufruf zum "klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren" durchaus berechtigt. Ob die auf über 300 Buchseiten ausgeführten Beispiele notwendig und geeignet sind, um die eigenen Zukunftsängste überwinden zu lernen, mag jeder für sich entscheiden.

Manche Ideen und Schilderungen empfand ich als anregend und nachdenkenswert, manches als eher weitschweifig und ermüdend. Insofern kein uneingeschränkter Lesetipp von mir, aber doch ein Aufruf, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

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