Matthew Syed: Das Black Box Prinzip

Der Untertitel dieses Buchs bringt das Anliegen auf den Punkt: "Warum Fehler uns weiterbringen". Der Autor Matthew Syed erklärt uns auf insgesamt 382 Seiten anhand vieler beispielhafter Berichte aus Wissenschaft, Medizin, Wirtschaft und Luftfahrt, wie wir mit Fehlern umgehen - und wieso gerade die Luftfahrt ein Paradabeispiel des sinnvollen Umgangs mit Fehlern ist.

Meine Meinung


Wer dieses Buch gewinnbringend lesen möchte, sollte Zeit mitbringen. Jedes Kapitel ist mit unzähligen Berichten, Fußnoten und Anmerkungen vollgepackt. Manche Aussagen werden für mein Empfinden etwas zu oft wiederholt.

Gleich zu Beginn werden Medizin und Luftfahrt unter dem Aspekt des Fehler-Managements verglichen. Der Buchtitel bezieht sich auf die "Black Box" aus der Luftfahrt, also die kleine(n) Box(en), die die technischen Daten und Gespräche im Cockpit aufzeichnen und für eine spätere Fehler-Analyse bereitstellen.

In der Medizin, wie auch in vielen Unternehmen, fehlt ein solches Kontroll-Instrument. Ebenso fehlt in vielen Bereichen die Bereitschaft, sich Fehler einzugestehen und diese positiv zu werten - als Möglichkeit, aus ihnen zu lernen und die Fehlerursachen zu beseitigen.

Insgesamt machen die vielen Beispiele das Buch einerseits interessant, andererseits aber auch langatmig. Nachdem ich mich durch das erste Kapitel mit seinen Wiederholungen der immer gleichen Aussagen gekämpft hatte, verlor ich ein wenig die Lust auf die nachfolgenden. Und so las ich diese nur noch im Schnelldurchlauf mit vielen Sprüngen.

Mein Fazit


Mir fehlen in diesem Buch ein paar knackige, zusammenfassende Seiten. Ein paar Checklisten oder praktische Anleitungen würden die Darstellung der Inhalte auflockern und greifbarer machen. Das Thema ist interessant und wichtig, die Aufbereitung dürfte für mich aber praxisbezogener sein. Dabei sind die Geschichten, die Syed zur Illustration seiner Aussagen und Folgerungen heranzieht, durchaus einprägsam und beeindruckend. Lesenswert ist es also allemal - die Leser sollten aber Zeit und Ausdauer mitbringen.

Bibliographische Angaben


Matthew Syed, Das Black Box Prinzip
dtv Premium, 382 Seiten, ISBN 978-3-423-26130-2
Preis: 16,90 Euro (D)

Bestellmöglichkeit online

Marc Elsberg: Zero - Sie wissen, was du tust

Bekannt wurde der in Wien geborene Autor Marc Elsberg bereits durch seinen Beststeller "Blackout". Mit seinem zweiten spannungsgeladenen Roman "ZERO - Sie wissen, was du tust" legte er bereits 2014 ordentlich nach. Beide Bücher wurden von "bild der wissenschaft" ausgezeichnet als "Wissensbuch des Jahres" in der Rubrik Unterhaltung. Jetzt ist ZERO als Taschenbuch erschienen.

Worum geht es im Buch?


Es geht um unsere mögliche (digitale) Zukunft, die in den Augen des Autors längst Realität geworden ist. Konzerne wie Google, Facebook und amazon sammeln unsere Daten und bieten uns an, unser Leben zu vereinfachen, zu perfektionieren, uns zu "verbessern". Wir geben ihnen unsere Daten, Informationen über unser Leben, unsere Anschauungen und Werte. Im Gegenzug bekommen wir kostenlose Programme, Dienstleistungen und Optimierungs-Tipps. Unsere Daten sind längst zur digitalen Währung geworden.

Im Roman ist es das Unternehmen FreeMee, das mittels sozialem Netzwerk und digitaler "Spielzeuge" wie Datenbrillen, Smartwatches und ActApps seinen Nutzern die Möglichkeit eröffnet, all ihre persönlichen Daten zu sammeln und daraus in jeder Hinsicht Kapital zu schlagen. Mit ausgefeilten Algorithmen lernen die digitalen Assistenten die Nutzer immer besser kennen und können sie beraten.

Doch es werden auch kritische Stimmen laut. Das Unternehmen FreeMee streicht immer größere Gewinne ein. Die Nutzer ändern ihr Verhalten, orientieren sich an einer Art Punktesystem von FreeMee, das letztlich auch für sie selbst bares Geld und mehr Lebensqualität bedeuten soll. Doch ist das wirklich so? Wie weit geht die Beeinflussung der Nutzer - handeln sie tatsächlich aus eigenem Antrieb oder werden sie manipuliert? Und auch staatliche Stellen, die mittels Überwachungs- und Datenauswertungstechnologie für die Sicherheit der Bürger eintreten wollen und sollen, scheinen keine ganz so weiße Weste zu haben.

Meine Meinung und Fazit


Schon zum ursprünglichen Erscheinungstermin wurde das Buch von der Realität eingeholt. Facebook gab zu, bereits 2012 mit den Emotionen seiner Nutzer ohne deren Wissen experimentiert zu haben, indem die Inhalte der Timeline beeinflusst wurden. Andere Unternehmen folgten mit ähnlichen Geständnissen.

Marc Elsberg gelingt es, die Fragen rund um Datenschutz, Privatsphäre und unbemerkte Manipulation in eine durchweg spannende Handlung einzubetten. Zunächst scheint alles durchaus positiv, die Möglichkeiten moderner Technologien scheinen die Menschen in ihrem persönlichen Streben und ihrer Entwicklung zu bereichern und unterstützen. Der Funke Misstrauen scheint ungerechtfertigt. Doch bei aller Transparenz, die von den Nutzern gefordert und den Nutzern vorgegaukelt wird, legen die Unternehmen selbst ihre "Geschäftsgeheimnisse" und Algorithmen nicht offen dar. Ein Blackbox, der man vertrauen muss, wenn man von ihr profitieren will.

Doch wissen wir wirklich, was die Unternehmen mit dem digitalen Abbild unseres Selbst jetzt oder in der Zukunft anstellen wollen und können? Je mehr kleine Datenbrocken zusammengeführt werden, desto genauer wird unser digitales Profil, desto leichter wird es, unsere "Schwachstellen" auszunutzen, uns zu manipulieren - ohne, dass wir es überhaupt bemerken.

Das Buch lässt mich mit einem beklemmenden Gefühl zurück, signalisiert mir aber zugleich, dass eine Verweigerung gegenüber dieses Techniken auch nicht zielführend sein wird. Längst sind wir alle in einer Art digitalem Ranking positioniert. Eine Verweigerung - so der Autor - führt letztlich nur zu einem deutlich negativerem Ranking, aber keinem "Entkommen" hieraus. So bleibt also nur, aktiv für Transparenz einzutreten, bewusst mit den neuen Möglichkeiten umzugehen und für das Recht auf Privatsphäre und digitale Selbstbestimmung einzutreten - soweit das eben möglich ist.

Ein ganz klarer Lese-Tipp für alle, die sich bisher ohne große Bedenken, mit Begeisterung und Grundvertrauen in die Welt von Google, Facebook, WhatsApp & Co. begeben!

Bibliographische Angaben


Marc Elsberg, ZERO - Sie wissen, was du tust
Verlag Blanvalet, Taschenbuch, 495 Seiten
ISBN 978-3-7341-0093-2, Preis: 9,99 Euro (D)

Online hier bestellbar.

D. D. Everest: Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte

Schon der erste Teil dieser zauberhaften Magier-Geschichte war im letzten November mein uneingeschränkter Lese-Tipp für die Weihnachtszeit. Jetzt ist endlich der zweite Teil mit dem Titel "Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte" erschienen.

Der Inhalt


Archibald Obadiah Greene setzt seine Magier-Lehre im geheimen Museum für Magiekunde fort. Ein weiteres magisches Mal erscheint, diesmal allerdings nicht nur auf seiner Hand.

Wieder erhält er über die Anwaltskanzlei Folly & Catchpole einen magischen Gegenstand, der ihm Rätsel aufgibt. Und als wäre all das noch nicht genug, lastet ein uralter Fluch auf ihm, seiner Familie und seinen Freunden.

Zeitgleich werden die Schutzzauber, die das Museum für Magiekunde vor den "Gierern" schützen, immer schwächer. Und nur ein Magieschreiber könnte die Zaubersprüche erneuern. Doch einen solchermaßen begabten Magier hat es seit Jahrhunderten nicht gegeben. Zudem ist das Schreiben von Magie alles andere als ungefährlich.

Die Entscheidungen, die Archie schon bald abverlangt werden, betreffen nicht nur sein eigenes Leben und das seiner Freunde, sondern die Zukunft aller Magier. Wird Archie die richtigen Entscheidungen treffen?

Meine Meinung und Fazit


Wie schon beim ersten Teil, war ich auch im zweiten Teil sehr schnell in der Geschichte angekommen. Und trotz aller Ähnlichkeiten zu den Harry-Potter-Büchern, schafft es der Autor, eine ganz eigenständige Zauberer-Welt zu erschaffen, die mich als Leser in ihren Bann zieht.

Viele wunderschön erdachte Details machen die Archie-Greene-Bücher lesens- und liebenswert. Wer Archie noch nicht kennt - ab in den nächsten Buchladen!

Bibliographische Angaben


D. D. Everest: Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte
Loewe Verlag, ISBN 978-3-7855-8077-6, Preis: 14,95 Euro (D)

Hier online bestellbar.

Thriller: Lionel Davidson, Der Rabe

Der 2009 in London verstorbene Autor Lionel Davidson gehört seit Jahrzehnten zu den besten Spannungsautoren Großbritanniens. Seinen ersten Spionagethriller veröffentlichte der Sohn jüdischer Einwanderer im Jahr 1960. Daran schlossen sich viele preisgekrönte Erfolgsbücher an. Sein letzter Spionage-Thriller erschien 1994 unter dem Titel "Kolymsky Heights" und liegt jetzt unter dem Titel "Der Rabe" in deutscher Übersetzung als Taschenbuch vor.

Der Titel lässt zunächst an einen Mystery-Thriller denken, entpuppt sich aber schnell als waschechter und hochspannender Spionage-Thriller. Über die Geschichte selbst will ich hier nicht viel verraten. Sie ist auf vielen Ebenen angelegt, die Geschehnisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, spielen zu großen Teilen im Bereich der Wissenschaft, des Militärs und der verschiedenen Geheimdienste.

Auf insgesamt 670 Seiten schafft es Davidson, die Spannung durchgehend hoch zu halten. Immer neue Wendungen und Schwierigkeiten warten auf den Protagonisten und führen ihn um die halbe Welt. Ein geheimes, unterirdisches Forschungslabor in der sibirischen Steppe spielt hier eine wichtige Rolle, ebenso geheime Forschungsergebnisse und rätselhafte Nachrichten.

Die zu Beginn des Buchs ausgelegten Handlungsfäden verweben sich im Laufe der Geschichte zu einem dichten Muster und ergeben schließlich auch für den Leser ein Bild. Und wie es sich für einen Thriller dieses Genres gehört, gibt es auch eine Liebesgeschichte und ein furioses Finale.

Mein Fazit: Für alle Thriller-Fans eine klare Lese-Empfehlung!

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Lionel Davidson, Der Rabe
Penguin Verlag, 670 Seiten, Preis: 10 Euro
ISBN 978-3-328-10002-7

Hier online erhältlich.

Ernst Peter Fischer: Noch wichtiger als das Wissen ist die Phantasie

Der in Heidelberg lebende Autor Ernst Peter Fischer ist einer der anerkanntesten Vermittler populärer Naturwissenschaft. In seinem neuen Taschenbuch mit dem Titel "Noch wichtiger als das Wissen ist die Phantasie" stellt er uns die "50 besten Erkenntnisse der Wissenschaft von Galilei bis Einstein" vor.

Dabei ordnet er die vorgestellten Persönlichkeiten in die unterschiedlichen Wissenschaftsbereich ein: Astronomie und Physik, Mathematik und Informatik, Naturforschung und Biologie, Chemie und Medizin, Molekularbiologie und Genetik sowie schließlich alle Verbleibenden in das Kapitel "Noch mehr Erkenntnisse".

Die jeweilige Persönlichkeit wird zunächst in Form eine Zitats mit ihrer Erkenntnis vorgestellt, deren Quellenangabe im Anhang zu finden ist. Darauf folgt allerdings nicht eine detaillierte Erläuterung oder weitere intensive Untersuchung von Zitat und darin enthaltener Erkenntnis. Vielmehr wird der Mensch hinter diesem Zitat in Form einer kurzen Biographie vorgestellt.

So lernen wir den Menschen hinter dem Zitat besser kennen. Aus Sicht des Autoren würde eine Erklärung und Erläuterung der Zitate, die darin enthaltenen Erkenntnisse nur verwässern und den Lesern die Freude daran genommen. Wie heißt es so schön: Selber denken macht klug!

Meine Meinung zum Buch


Das Buch eignet sich dank seiner kurz gehaltenen Kapitel wunderbar zum Quer- und Zwischendurch-Lesen. Die bewusst für sich stehenden Zitate regen zum Nach-Denken an. Die komprimierten Kurz-Biografien machen neugierig auf die Forscher und Entdecker hinter den Erkenntnissen und lassen uns manchmal ganz neue Verbindungen entdecken.

So habe ich ganz nebenbei erfahren, dass sich Einstein und Schrödinger kannten. Dass Einstein eine Erklärung dafür gefunden hat, warum sich die Teeblätter beim Umrühren in der Tasse immer in der Tassenmitte sammeln. Dass es Schrödingers Frau war, die diese Frage gestellt hat. Und dass Schrödinger dann Einstein anrief, weil er selbst keine Erklärung dafür hatte.

Eine ganz klare Lese-Empfehlung für alle, die sich ihre Neugier auf Wissen und die Menschen dahinter erhalten haben!

Bibliographische Angaben


Ernst Peter Fischer: "Noch wichtiger als das Wissen ist die Phantasie"
ISBN 978-3-328-11111-5, Penguin Verlag, Preis: 9 Euro
Online-Bestellmöglichkeiten