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Josep Delaney: Seventh Son - der Spook als Buch, Hörbuch und Film

Im Jahr 2004 hatte ich meine erste Begegnung mit dem "Spook" von Joseph Delaney. Gleich vom ersten Teil der Geschichte war ich in den Bann gezogen und freute mich auf jeden neuen Band der Erzählung. Leider entschied sich der deutsche Verlag weit vor dem Ende der Reihe, dass es keine weiteren Übersetzungen ins Deutsche mehr geben wird. Sehr bedauerlich, wie ich fand und finde.

Jetzt kommt der Beginn der Geschichte in neuer Form auf den Markt: Sowohl ein Kinofilm als auch ein (gekürztes) Hörbuch greifen die Erzählung um den Geisterjäger und Thomas Ward, den siebten Sohne eines siebten Sohnes, auf. Meine Hoffnung wächst, dass vielleicht auch die restlichen Teile der Geschichte endlich ins Deutsche übersetzt werden. Die Erzählung, der Autor und nicht zuletzt die begeisterten Leser hätten es meiner Meinung nach mehr als verdient.

Doch zurück zur Geschichte - vor etwa elf Jahren schrieb ich nach der Lektüre über das Buch:

Wenn die Dunkelheit kommt ... schaurig-schöne Spuk-Geschichte


Der 13-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes. Und da der Hof seiner Eltern nicht alle Kinder ernähren kann, muss er bei einem Meister in die Lehre gehen. Dass es gerade der Spook sein muss, der unheimliche und von allen gefürchtete Geisterjäger, das will ihm zunächst gar nicht gefallen.

Aber Tom gehorcht dem Willen seiner Eltern und begibt sich zusammen mit dem Spook auf die Wanderschaft. Er lernt die Welt der Geister, Boggarts und Hexen kennen. Er erfährt, wie man sich gegen diese Wesen zur Wehr setzt. Und er muss erkennen, dass die Arbeit eines Spook neben der Gefahr vor allem eines mit sich bringt: Einsamkeit. Denn die "normalen" Menschen fürchten sich vor ihm und wollen mit einem Geisterjäger nichts zu tun haben. Und so muss Tom viel früher als gedacht allein den Kampf gegen eine übermächtige Hexe bestreiten.

"Spook" ist ein Buch mit viel Atmosphäre. Gruselig und schaurig, aber einfach schön zu lesen. Die gelungenen Illustrationen von Patrick Arrasmith und das hervorragende Titelbild von David Wyatt ergänzen die Geschichte hervorragend. Eine raffinierter Schachzug des Autors ist auch das am Ende des Buches angefügte "Tagebuch" von Tom Ward. So können wir die wichtigsten Lehren des Spook noch einmal Revue passieren lassen und uns an Toms Erlebnisse aus einem anderen Blickwinkel erinnern.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die gruselig-schaurige Geschichten mögen. Es bleibt zu hoffen, dass Delaney uns bald mit weiteren fesselnden Geschichten von Tom und dem Spook überrascht.

Hörbuch und Film


Das Hörbuch, gelesen von Patrick Mölleken, präsentiert die gekürzte Fassung der Geschichte in angenehmer Hörfassung. Vier CDs mit einer Gesamtspielzeit von etwa 4 Stunden und 19 Minuten bieten dem Zuhörer spannende Unterhaltung. Die frische Stimme erweckt den Eindruck, als ob Tom Ward selbst uns seine Geschichte erzählt. Zugegeben, hier spricht kein 13-jähriger Junge. Aber es könnte durchaus der erwachsene Thomas Ward sein.

Die Filmfassung habe ich leider noch nicht gesehen, wobei der Trailer viele Spezialeffekte verspricht und die Geschichte kinogerecht abwandelt. Ein wenig zu sehr Mainstream in Umsetzung und Effekten, scheint mir. Und irgendwie erinnert mich der Spook hier optisch sehr an Catweazle* - die Älteren unter uns werden sich vielleicht erinnern.

Mein Fazit


Die Bücher bieten für mich noch immer das beste "Kopfkino" - drücken wir uns also die Daumen, dass in diesem neuen Anlauf schließlich alle Bände der Spook-Saga ins Deutsche übertragen werden. Aber ein Ohr für die Hörbuch-Fassung und einen Blick in den Film darf man durchaus riskieren.

Bezugsquellen



John Flanagan - Die Chroniken von Araluen

Eine mittelalterliche Fantasiewelt, Ritter, Könige, Prinzessinnen, wilde Wüstenvölker, geheimnisumwobene Waldläufer, barbarische Kriegervölker, Intrigen, Verbrechen, Liebe und Freundschaft. Nicht nur aus diesen Elementen hat der Autor John Flanagan seine inzwischen elf Bände zählende, sehr erfolgreiche Reihe "Die Chroniken von Araluen" erschaffen.

Sympathische, menschliche Charaktere und fantasievolle Abenteuer in leicht lesbarer Verpackung machen den Erfolg dieser Bücher aus. Die geheimnisvollen Waldläufer, die fast wie eine Mischung aus Robin Hood und Ninjas anmuten, ihre Eigenart, sich mit ihren speziell trainierten Pferden zu unterhalten, das Durchscheinen unserer Welt in dieser Fantasiewelt - es macht einfach Freude, sich in diesen Geschichten zu verlieren, einzutauchen in die Abenteuer, mitzufiebern und erleichtert wieder daraus aufzutauchen.

Soeben erschienen ist der elfte Teil mit dem Titel "Die Legenden des Königreichs". Genaugenommen war mit dem zehnten Band der Reihe Schluss. Doch die Leser hatten dem Autoren im Laufe der Zeit so viele Fragen gestellt, dass er Material und Ideen für ein weiteres Buch daraus zog. So ist dieses Buch ein Geschichten-Mosaik, eine Ergänzung der vorherigen Geschichten, eingewoben in eine knappe Rahmenhandlung: Bei Ausgrabungsarbeiten an den Ruinen von Burg Redmont entdecken Archäologen eine Waldläufer-Hütte. Versteckt im Boden der Hütte entdecken sie einige Pergamente, auf denen Geschichten aus längst vergessenen Zeiten festgehalten wurden.

Und so erfahren wir mehr über die sagenumwobenen Pferde der Waldläufer, über die Ausbildung des Waldläufers Walt, Wills rettenden Einsatz bei der Hochzeit von Horace und Evanlyn und vieles mehr. Trotz des fragmentarisch wirkenden Aufbaus der Geschichte bleibt das Buch flüssig lesbar. Eine gelungene Abrundung der ersten zehn Bände und allemal ein Lesetipp für die kalten Winterabende! Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte mit Band Eins beginnen oder sich gleich alle elf Bände gönnen. Vergnügliche Lesestunden sind garantiert!

Die Buchreihe im Überblick


John Flanagan, Die Chroniken von Araluen

Dave Eggers: Der Circle

In seinem Roman "Der Circle" entwirft Dave Eggers das Bild einer Welt, in der sich ein einzelnes Unternehmen anschickt, die gesamte Welt "gläsern" zu vernetzen und nach seinen Vorstellungen zu formen. Das Unternehmen mit dem Namen "Circle" ist marktbeherrschende Suchmaschine, weltweit führendes Social Network und innovative Technik-Schmiede in einem. Ob Hardware oder Software - jeder (fast jeder) möchte in diesem Unternehmen arbeiten. Sozialleistungen, Arbeitsumfeld, Aufstiegsmöglichkeiten - alles ist für die Protagonistin Mae Holland wie ein Traum.

Mae bekommt dank einer einflussreichen früheren Studienkollegin einen Job in diesem Traum-Unternehmen. Schnell lebt sie sich in die Firmenphilosophie ein, die jeden mit sanftem Psycho-Druck dazu "motiviert", sich doch bitte zu vernetzen, Kontakte (virtuell) zu pflegen, sich in die Circle-Gemeinschaft einzubinden. Mini-Kameras, die jeden Winkel der Welt im Blick behalten, jedem offenstehen, ständige Erreichbarkeit, oberflächliches Miteinander im virtuellen Raum - all das gipfelt schließlich in einer totalen "Transparenz", dem gläsernen Politiker und Normalbürger. Wer sich nicht "transparent" macht und im Netzwerk aktiv beteiligt, wird verdächtig. Und das Unternehmen will noch mehr ...

Meine Meinung


Natürlich denkt jeder sofort an Google, Facebook, Apple und Microsoft - und aus diesen Mosaiksteinchen hat Dave Eggers den "Circle" auch zusammengesetzt. Ein Informations-Datenkrake, eine IT-Schmiede und ein Think-Tank-Unternehmen, das sich jedes interessante (oder eventuell bedrohliche) Unternehmen einverleibt. Ein Unternehmen, das Gutes bewirken will, indem es jegliche Privatheit auflöst. Völlige Transparenz führe dazu, dass weniger Verbrechen geschehen, die Wahlbeteiligung steige, echte Demokratie entstehe - so das Credo der "Drei Weisen", die als Unternehmens-Gründer die Geschicke lenken.

Das könnte ein beklemmendes, unheimliches Buch sein - wenn es dem Autoren denn gelänge, dieses Zukunftsszenario subtil und mit klar gezeichneten Figuren darzustellen. Leider bleiben die Persönlichkeiten vage, dünn, einfach gestrickt. Maes Eltern, ihr Ex-Freund, die Außenwelt - mir fehlen die Tiefe und Klarheit, die scharfen Konturen. Da wird mal eben noch ein wenig Sex eingestreut (ob im Wohnheim, auf der Toilette oder im Schlafzimmer der Eltern). Für die Handlung bringt das eher wenig, aber vielleicht befriedigt es den Voyeurismus des Lesers?

Das sektenartige Unternehmen mit totalitären Zügen, das seine Mitarbeiter in Personalgesprächen emotional und psychisch in die Firmenstrategie zwängt und Einsatz bis zur totalen Erschöpfung erwartet, wird mir nicht so richtig unheimlich. Die Protagonistin selbst erklärt sich kritiklos bereit, "transparent" zu werden, hinterfragt aber in keinem Moment, warum die "Drei Weisen" sich eben dieser Transparenz entziehen. Auch niemand sonst stellt sich diese Frage. Die wenigen Kritiker und Widerständler kommen eher am Rand der Geschichte vor - hier hätte ich mir einen klaren Perspektivwechsel gewünscht, den Blick durch die Augen der Gegenseite. Maes Eltern und ihr Ex-Freund wären da besser geeignet als ihr mysteriöser, grauhaariger Liebhaber.

Darum mein Fazit: Schade, aus diesem Thema hätte man mehr machen können. So ist für mich das Buch eher die Skizze eines Schreckensszenarios, das ich mir selber ausmalen muss.

Bezugsquellen


Dave Eggers, Der Circle*

Lyrik-Tipp: Christian Morgenstern, Liebesgedichte

Christian Morgenstern,
Liebesgedichte
*
Abb. © Verlag Urachhaus
Der deutsche Dichter Christian Morgenstern starb am 31.03.1914 im Alter von 42 Jahren. Bekannt wurde er vor allem durch seine humorbetonte Lyrik und als Dichter der "Galgenlieder". Unbekannt ist den meisten aber wohl seine Liebeslyrik und sein "weißer" Humor.

Hundert Jahre nach seinem Tod bringt nun der Verlag Urachhaus eine Auswahl der Liebesgedichte Morgensterns heraus, herausgegeben von Jean-Claude Lin. Diese Lyrik zeigt uns Morgenstern von seiner zärtlich-heiteren und melancholischen Seite.

Ein Beispiel sei an dieser Stelle zitiert:
Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.
 
Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.
 
Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Auf 96 fadengehefteten Seiten im roten Leinen-Einband findet die Gedicht-Auswahl genügend Raum zur Entfaltung. Ein Nachwort des Herausgebers und ein Verzeichnis der Titel und Gedichtanfänge runden das Buch ab.

Mein Fazit


Ein schöner Geschenkband für Verliebte, Gedicht-Liebende und Morgenstern-Möger, die nicht gleich die Gesamtausgabe anschaffen möchten, um den Dichter von einer anderen Seite kennen zu lernen.

Bezugsquellen

Christian Morgenstern, Liebesgedichte hier online bestellen*

Krimi-Tipp: Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten

London, 1893: Ein Goldschmied, der auch Frauenfreund und Lebemann war, wird in seiner Werkstatt bestialisch ermordet. Inspector Swanson von Scotland Yard nimmt die Ermittlungen auf und sieht sich schon sehr bald mit zwei weiteren Morden konfrontiert, die ähnlich grausam ausgeführt wurden.

Auf der Suche nach dem Mörder wird der Inspector in die Geheimnisse der gehobeneren Londoner Gesellschaft verstrickt. Welche Rolle spielen Oscar Wilde und sein Geliebter Lord Douglas? Und was weiß Sherlock Holmes' Schöpfer Arthur Conan Doyle über den Fall?

Krimi-Autor Robert C. Marley führt uns mit diesem Krimi ins Zeitalter der galanten Gentlemen und korsettgeschnürten Damen in weitbauschenden Röcken. Doch unter der biederen Fassade brodelt es.

Meine Meinung


Auch wenn ich sonst eher kein Krimi-Leser bin: Dieser Krimi liest sich flüssig, spannend und bietet genügend Wendungen und Rätsel, um gut zu unterhalten. Wer Spaß an Krimigeschichten aus der Zeit von Sherlock Holmes hat, sollte sich dieses Buch als Nacht- und Urlaubslektüre einpacken.

Einzig störend fand ich, dass durch die Blaufärbung des Schnitts die gut 300 Seiten am Rand miteinander verklebt waren. So war vor dem Lesegenuss erst einmal "Seiten separieren" angesagt. Aber es hat sich gelohnt!

Über den Autor


Robert C. Marley, Jahrgang 1971, ist Autor, Kriminalhistoriker, Goldschmiedemeister und lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in einer sehr alten Stadt in Ostwestfalen. Er ist Mitglied des Syndikats – der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Seit seiner Jugend liebt er Sherlock Holmes und Agatha Christie und besitzt inzwischen ein privates Kriminalmuseum.

Das Buch online bestellen

Robert C. Marley, Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten*

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