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Dienstag, 15. Juli 2014

Lyrik-Tipp: Christian Morgenstern, Liebesgedichte

Christian Morgenstern,
Liebesgedichte
*
Abb. © Verlag Urachhaus
Der deutsche Dichter Christian Morgenstern starb am 31.03.1914 im Alter von 42 Jahren. Bekannt wurde er vor allem durch seine humorbetonte Lyrik und als Dichter der "Galgenlieder". Unbekannt ist den meisten aber wohl seine Liebeslyrik und sein "weißer" Humor.

Hundert Jahre nach seinem Tod bringt nun der Verlag Urachhaus eine Auswahl der Liebesgedichte Morgensterns heraus, herausgegeben von Jean-Claude Lin. Diese Lyrik zeigt uns Morgenstern von seiner zärtlich-heiteren und melancholischen Seite.

Ein Beispiel sei an dieser Stelle zitiert:
Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.
 
Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.
 
Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Auf 96 fadengehefteten Seiten im roten Leinen-Einband findet die Gedicht-Auswahl genügend Raum zur Entfaltung. Ein Nachwort des Herausgebers und ein Verzeichnis der Titel und Gedichtanfänge runden das Buch ab.

Mein Fazit


Ein schöner Geschenkband für Verliebte, Gedicht-Liebende und Morgenstern-Möger, die nicht gleich die Gesamtausgabe anschaffen möchten, um den Dichter von einer anderen Seite kennen zu lernen.

Bezugsquellen

Christian Morgenstern, Liebesgedichte hier online bestellen*

Donnerstag, 3. Juli 2014

Krimi-Tipp: Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten

London, 1893: Ein Goldschmied, der auch Frauenfreund und Lebemann war, wird in seiner Werkstatt bestialisch ermordet. Inspector Swanson von Scotland Yard nimmt die Ermittlungen auf und sieht sich schon sehr bald mit zwei weiteren Morden konfrontiert, die ähnlich grausam ausgeführt wurden.

Auf der Suche nach dem Mörder wird der Inspector in die Geheimnisse der gehobeneren Londoner Gesellschaft verstrickt. Welche Rolle spielen Oscar Wilde und sein Geliebter Lord Douglas? Und was weiß Sherlock Holmes' Schöpfer Arthur Conan Doyle über den Fall?

Krimi-Autor Robert C. Marley führt uns mit diesem Krimi ins Zeitalter der galanten Gentlemen und korsettgeschnürten Damen in weitbauschenden Röcken. Doch unter der biederen Fassade brodelt es.

Meine Meinung


Auch wenn ich sonst eher kein Krimi-Leser bin: Dieser Krimi liest sich flüssig, spannend und bietet genügend Wendungen und Rätsel, um gut zu unterhalten. Wer Spaß an Krimigeschichten aus der Zeit von Sherlock Holmes hat, sollte sich dieses Buch als Nacht- und Urlaubslektüre einpacken.

Einzig störend fand ich, dass durch die Blaufärbung des Schnitts die gut 300 Seiten am Rand miteinander verklebt waren. So war vor dem Lesegenuss erst einmal "Seiten separieren" angesagt. Aber es hat sich gelohnt!

Über den Autor


Robert C. Marley, Jahrgang 1971, ist Autor, Kriminalhistoriker, Goldschmiedemeister und lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in einer sehr alten Stadt in Ostwestfalen. Er ist Mitglied des Syndikats – der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Seit seiner Jugend liebt er Sherlock Holmes und Agatha Christie und besitzt inzwischen ein privates Kriminalmuseum.

Das Buch online bestellen

Robert C. Marley, Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten*

Montag, 9. Juni 2014

Kitz & Tusch: Warum uns das Denken nicht in den Kopf will

"Nützliche Erkenntnisse aus der Alltagspsychologie" verspricht das Taschenbuch von Dr. Volker Kitz und Dr. Manuel Tusch aus dem Heyne-Verlag. Alltagspsychologie? Klingt das etwa nach Milchmädchenrechnung und Horoskop-Geschwafel? Keine Sorge, dem ist nicht so!

Das "berühmte Psycho-Duo", wie der SWR die beiden Autoren schon bezeichnete, hat jede Menge Aha-Effekte und Alltags-Tipps auf Basis psychologischer Erkenntnisse in diesem Taschenbuch zusammengetragen. Locker geschrieben, flüssig lesbar, an Alltagsfragen von Beruf bis Liebe orientiert ist für alle etwas dabei.

So erfahren wir, warum wir für den beruflichen Erfolg besser negativ denken und formulieren sollten. Oder wie leicht wir Liebe und Ekel verwechseln können. Die Autoren stellen uns das "Geber-Pardox", die "Unterscheidungs-Verzerrung" und viele weitere, etwas rätselhaft klingende Psychologie-Erkenntnisse vor.

Dank der vielen kurzen, in sich geschlossenen Kapitel ist das Buch ideal zum Quer- und Zwischendurch-Lesen. Am Ende jeder "Lektion" sind Quellen-Nachweise angefügt, so dass wir auch tiefer in die Materie einsteigen können - wenn wir es denn wollen. Kleine Cartoons lockern das Buch zusätzlich auf.

Mein Fazit


Ein aus meiner Sicht zu Recht viel gelobtes Autorengespann, das uns spannende Erkenntnisse aus der Psychologie auf verständliche Weise näher bringt. An alltäglichen Situationen aus Beruf, Beziehung und Lebensplanung orientiert, finden wir  dank der "mundgerechten Portionen" einen lockeren Zugang zur Alltagspsychologie. Mein Tipp: Lesen!

Das Buch kaufen


Dr. Volker Kitz, Dr. Manuel Tusch: Warum uns das Denken nicht in den Kopf will*

Freitag, 18. April 2014

Diana Menschig: So finster, so kalt

Im April 2014 ist ein neues Buch von Diana Menschig erschienen, die ich hier bereits mit "Hüter der Worte" Ende 2012 vorgestellt habe. In ihrer neuen Geschichte vermischen sich Gegenwart, Vergangenheit, Alpträume und Märchenmotive zu einer packenden Geschichte. Angesiedelt im Schwarzwald ist das Märchen von Hänsel und Gretel ein bestimmendes Element der Handlung.


Die Geschichte


Merle Hänssler ist eine erfolgreiche Anwältin in Hamburg. Doch seit einer Weile rauben ihr Alpträume den Schlaf. So ist sie emotional und körperlich erschöpft, als sie die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter erreicht. Da ihr Vater gerade in Kanada ist, reist sie in den Schwarzwald, um sich um die Beerdigung und den Nachlass, ein kleines, abgelegenes "Hexenhäuschen" zu kümmern.

Im Nachlass stößt sie auf alte Dokumente, in denen es um einen gewissen Johannes und seine Schwester Greta geht, die Ende des 16. Jahrhunderts im Haus der Großmutter gelebt haben müssen. Die Geschichte um diese beiden klingt verworren und unheimlich. Was hat es mit dem Haus und den furchtbaren Geschehnissen auf sich, die sich dort abgespielt haben sollen?

Merle ist geneigt, all das als Aberglaube, von Märchen und Sagen beeinflusste Spinnereien abzutun. Doch die Grenzen zwischen Realität und Traumwelt verwischen. Plötzlich verschwinden einige Kinder des Dorfes spurlos und das uralte Haus scheint ein Eigenleben zu entwickeln. Merle beginnt sich zu fragen, ob an den alten Geschichten doch mehr dran ist, als sie anfangs wahrhaben wollte.


Mein Fazit


Diana Menschig gelingt es, die Märchenmotive wunderbar in eine spannende Geschichte einzuweben. Der Wechsel zwischen Alpträumen, Realität und Handlungssträngen aus der Vergangenheit baut Spannung auf. Die verschiedenen Perspektiven und Erzählstränge nähern sich langsam, aber unerbittlich einander an, bis sie sich zu einem atmosphärisch dichten Höhepunkt vereinen. Nicht immer ist man sich als Leser im Klaren, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Und glaubt man gerade, dass alles ein gutes Ende findet, kommen im Epilog wieder Zweifel auf. Gelungen!

Für alle, die Grusel und Spannung mit einem Schuss Übersinnlichen zu schätzen wissen, mein Lesetipp!

Bezugsquellen

Diana Menschig, "So finster, so kalt" online kaufen*

Montag, 24. März 2014

Michelle Paver: Gods and Warriors

Michelle Paver wirst du vermutlich bereits durch ihre Bestsellerreihe "Chronik der dunklen Wälder"* kennen, die auch ich mit Begeisterung gelesen habe. Die Reihe um den Steinzeit-Jungen Torak und seine Freunde, einen Wolf und ein junges Mädchen, haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Daher war ich neugierig, ob auch die neue Reihe so fesselnd beginnt.


Worum geht es?


Diesmal geht es nicht um die Steinzeit, sondern um die ca. 3500 Jahre zurückliegende Bronzezeit im alten Griechenland. Wieder ist eine Konstellation aus einem Jungen, einem Mädchen und einem Tier das zentrale Thema. Diesmal ist es ein Delfin, so dass sich viele Ereignisse im, am und auf dem Meer abspielen.

Auch hier sind wieder Götter, Mythen, Magie, bedrohlich fremde Völker und der Sprung zwischen der Perspektive des Tieres und der Menschen entscheidende Stilmittel. Aber ehrlich gesagt dauerte es diesmal länger, bis ich in die Geschichte eintauchen konnte und diese für mich Fahrt aufnahm. Das liegt nicht daran, dass nicht auch am Anfang schon genug passiert, aber anders als in der "Chronik der dunklen Wälder" kommt die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier erst sehr spät zum Tragen. Vielleicht ist das ein Faktor - oder aber die Ähnlichkeit der Grund-Konstellation.


Mein Fazit


Ist man erstmal in der Geschichte angekommen, macht das Buch Spaß. Allerdings fehlt mir persönlich die Originalität in der Geschichte. Alles scheint gut recherchiert, routiniert aufgebaut - aber für mich liest sich dieser erste Teil so, als wolle Michelle Paver unbedingt an der Erfolg der "Chronik" anschließen. Also nimmt sie das Grundgerüst, setzt es in eine andere Umgebung, eine andere Zeit, schminkt die Geschichte um und startet mit einer neuen Reihe.

Wer die Geschichten um den Steinzeit-Jungen Torak gern gelesen hat und sich an Ähnlichkeiten im Aufbau der Geschichte nicht stört, wird sicher auch an dieser neuen Reihe Freude haben. Wer eher Lust auf etwas Neues hat, könnte enttäuscht werden. Trotzdem bin ich gespannt auf die Folgebände - vielleicht erlebe ich da ja noch eine Überraschung?

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Michelle Paver, Gods and Warriors - Die Insel der Heiligen Toten*
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