Angelesen, weggelegt: Phantastik-Krimi und Sinnfindungs-Ratgeber

Mit zwei Büchern, die auf meinem "Stapel ungelesener Bücher" lagen, habe ich mich in letzter Zeit sehr schwer getan - und die Lektüre schließlich abgebrochen. Trotzdem möchte ich die zwei Bücher hier kurz vorstellen, da sie als Neuerscheinungen vielleicht doch den Nerv und Geschmack anderer Leserinnen und Leser treffen. Es handelt sich bei den beiden Taschenbüchern um einen in London angesiedelten Krimi mit Phantastik-Elementen und um einen praktischen Ratgeber zum Thema Ikigai mit dem Untertitel "Den Sinn des Lebens im Alltag finden".

A. K. Benedict, "Die Seelen von London" und Bettina Lemke, "Ikigai"

Mein Eindruck und meine Meinung


A. K. Benedict: Die Seelen von London


Der Plot des Krimis klingt vielversprechend: Eine blinde Londonerin, deren Leben von einem rätselhaften Stalker bedroht wird. Ein Polizeibeamter, der die Ermittlungen aufnimmt. Ein Bestatter, der Kontakt zu Toten hat, die zum Teil noch nicht realisiert haben, dass sie gestorben sind oder ermordet wurden. "Dit Toten sind näher, als du denkst ..." heißt es daher auch im Klappentext.

Trotz all der Möglichkeiten, die ein solcher Schauer-Krimi bietet, hat mich die Geschichte einfach nicht fesseln können. So habe ich mich eine Weile durch die Seiten gequält, bevor ich das Buch schließlich zur Seite gelegt habe. Nervig fand ich zum Beispiel die abgekürzten Dienstgrade der Polizeibeamten, wo DI Dark mit DS Baxter ermittelt. Aber auch die restlichen Protagonisten, wenn Frank auf Jonathan trifft, blieben für mich beim Lesen gesichtslos - wer war das jetzt nochmal?

Mir hat das Lesen leider keinen Spaß gemacht. Da aber andererseits teils sehr positive Besprechungen erschienen sind, sei es an dieser Stelle zumindest kurz vorgestellt.

Bettina Lemke: Ikigai - Den Sinn des Lebens im Alltag finden


Bei diesem Buch handelt es sich um einen Praxis-Ratgeber zum Thema Sinnfindung im Alltag. Es gliedert sich in zwei Teile: Teil 1 beschreibt ganz allgemein das Prinzip "Ikigai" und seine Hintergründe, Teil 2 stellt praktische Übungen vor, mit denen wir unser eigenes Ikigai entdecken sollen.

Der aus Japan stammende Begriff Ikigai steht hierbei für "das Glück, einen Sinn im Leben gefunden zu haben". Es setzt sich im Wesentlichen aus vier Teilbereichen zusammen:
  1. was wir sehr gerne tun
  2. was wir sehr gut können
  3. wofür wir bezahlt werden (könnten) bzw. was uns eine Gegenleistung einbringt
  4. was wir für die Welt tun bzw. womit wir der Gemeinschaft Nutzen bringen
Wenn alle vier Teilbereiche in unserem Tun und Sein zusammenfallen, dann ist das unser persönliches Ikigai, unser Lebenssinn und unsere Erfüllung. Hierzu möchte die Autorin uns im zweiten Teil anhand praktischer Übungen helfen, unsere Stärken und Vorlieben zu erkennen. Ein so "erfülltes Leben" soll zu mehr Freude, Gesundheit und Lebensglück führen.

Angesprochen durch das Thema und das schöne, japanisch angehauchte Cover, habe ich das Buch angelesen, aber schon bald wieder auf die Seite gelegt. Die praktischen Übungen sind recht simpel: Schreibe deine Lieblingsbücher, Lieblingsfilme, Lieblingsbeschäftigungen auf. Meditiere kurz und entspanne dich. Nimm dir zwei Stifte und hebe die wichtigen Elemente hervor. Überlege, warum dir bestimmte Dinge Freude bereiten. Und dann leite daraus für dich dein persönliches Ikigai ab. - Gut, das ist jetzt stark vereinfacht beschrieben, aber trifft aus meiner Sicht den Kern der Sache.

Auf mich wirkt es so, als habe da jemand einen allgemeinen, einfach gehaltenen Lebens-Glücks-Ratgeber an einen aufkommenden Trendbegriff - ähnlich wie "Hygge" - angebaut. Finde ich meine zentralen Lebensthemen so einfach über meine Lieblingsbücher, Lieblingsfilme etc.? Mich hat die Idee und Umsetzung leider nicht überzeugt oder begeistert. Ein wenig fühle ich mich zurückversetzt ans Ende der Schulzeit und die beginnende Jobsuche: Was kann ich gut? Was mache ich gerne? Womit kann ich Geld verdienen? Letztlich liefert mir dieser Ratgeber wenig bis gar nichts Neues - vor allem keine Aha-Erlebnisse.

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Verlag Knaur, ISBN 978-3-426-52055-0
396 Seiten, Preis: 14,99 Euro [D]

Verlag dtv premium, ISBN 978-3-423-26177-7
155 Seiten, Preis: 14,90 Euro [D]

Lese-Tipp: Dan Brown, Origin

Dan Brown liefert mit Origin soeben den fünften Teil seiner weltweit erfolgreichen Thriller-Reihe um den Harvard-Professor Robert Langdon. Mit viel Vorfreude habe ich mich in die 670 Seiten dieses Buches gestürzt - und wurde nicht enttäuscht.

Dan Brown: Origin

Die Geschichte


Wieder einmal spielt die Religion eine wichtige Rolle in dieser Geschichte. Es geht um die zwei zentralen Lebensfragen: Woher kommen wir? Und: Wohin gehen wir?

Der Milliardär, Zukunftsforscher und bekennende Atheist Edmond Kirsch, ehemaliger Student von Robert Langdon, glaubt die Antworten auf diese Fragen mit wissenschaftlichen Methoden gefunden zu haben. Im Rahmen einer weltweit per Livestream übertragenen Präsentation will er seine Antworten der Öffentlichkeit enthüllen. Schon im Vorfeld trifft er sich mit drei Vertretern der großen Glaubensgemeinschaften, die vorab Teile seiner Präsentation zu sehen bekommen und hiervon sehr beunruhigt sind.

Als es schließlich zur Präsentation kommt, in der auch Robert Langdon eine wichtige Rolle spielt, überschlagen sich die Ereignisse. Es scheint eine Gruppe von Menschen zu geben, die die Veröffentlichung dieser "bahnbrechenden Entdeckung", wie Kirsch sie bezeichnet, mit allen Mitteln verhindern wollen. Und schließlich liegt es in Robert Langdons Händen, unter Einsatz nicht nur seines eigenen Lebens, den Schleier zu lüften, rätselhaften Hinweisen nachzugehen und der Welt Antworten zu liefern.

Meine Meinung


Dan Brown gelingt es wieder einmal meisterhaft den Spannungsbogen über die gesamte Länge des Buchs aufrecht zu erhalten. Als Leser fiebere ich mit, rätsle mit und werde bewusst im Unklaren gelassen. Zur Seite steht Robert Langdon wieder einmal eine gutaussehende, intelligente und selbstbewusste Frau - und der zunächst nur via Telefon auftretende Assistent namens Winston.

Aus den Reaktionen der Figuren, die vorab Teile der Präsentation zu sehen bekommen, lässt sich ablesen, wie aufwühlend und bedrohlich die Erkenntnisse des Zukunftsforschers zumindest für wichtige Religionsvertreter und einige andere Mächtige zu sein scheinen. Trotz vieler Wendungen und rätselhafter Mosaiksteinchen bleibt der Vorhang für den Leser bis zum Ende geschlossen.

Den spannenden Handlungsrahmen bildet auch in diesem Thriller Dan Browns die Verbindung von Kunst, Religion, Philosophie und Naturwissenschaft. Abgesehen von der spannenden Handlung macht es Spaß, sich den Fragen rund um Religion und Wissenschaft zu stellen, die rätselhaften Hinweise und Symbole zu entschlüsseln. Bis fast ganz zum Schluss bleibt die Frage: Hat der Zukunftsforscher wirklich Antworten auf die grundlegenden Fragen nach dem Woher und Wohin gefunden? Wie ist er zu diesen Antworten gekommen? Und: Wie lauten diese Antworten?

Das Ende ist überraschend und in kleinen Wellen angelegt. Glaubt man gerade, dass alle Antworten auf dem Tisch liegen, zieht Dan Brown noch ein paar Karten aus dem Ärmel. Wer die bisherigen Thriller um Robert Langdon mochte, wird auch dieses Buch lieben. Lesenswert!

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Dan Brown, Origin
Verlag Lübbe, Erscheinungstermin: 4. Oktober 2017,
gebundene Ausgabe, 670 Seiten,
ISBN 978-3-431-03999-3, Preis: 28 Euro

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Everest: Archie Greene und das Buch der Nacht

Wieder hat es rund ein Jahr gedauert, bis der nächste und voraussichtlich letzte Teil dieser Reihe erschienen ist: Im dritten Teil der Geschichte um den jungen Magier-Lehrling Archie Greene kommt es zum großen Kampf zwischen der hellen und dunklen Seite der Magie.

 D. D. Everest: Archie Greene und das Buch der Nacht
D. D. Everest: Archie Greene
und das Buch der Nacht
Archie erhält ein neues Feuermal und rätselhafte Nachrichten erreichen den Club der Alchemisten. Neu geschriebene Zaubersprüche werden von einer schwarzen Flamme verzehrt und lösen sich im wahrsten Sinne in Rauch auf. Die "Gierer" gelangen zu immer mehr Stärke, die magische Flamme von Pharos wird immer schwächer - und bald schon weiß niemand mehr, wem noch zu trauen ist.

Archie erfährt endlich, was tatsächlich mit seinen Eltern und seiner Schwester geschehen ist. Auch zum Thema Fabian Grey gibt es neue Erkenntnisse.

Aber wird Archie das im Kampf gegen die Finsterflamme und die Fahlen Schreiber helfen? Stammen die rätselhaften Nachrichten etwa von Fabian Grey selbst? Was hat es mit der rätselhaften Prophezeiung rund um das Opus Magus, dem Ursprung aller Magie, auf sich?

Meine Meinung und Fazit


Wie schon in Teil 1 und Teil 2 der Geschichte ist auch im dritten Band - trotz der sich aufdrängenden Vergleiche zu Harry Potter - die Originalität der Geschichte ganz klar vorhanden. Die magische Welt des Archie Greene ist ganz eigenständig, wunderschön ausgedacht und es macht sogar Freude, das abschließende Glossar wie einen Film-Abspann zu genießen.

Darum lautet mein Fazit: Wer originell-spannende Magier-Geschichten mag und bis jetzt noch keines der Archie-Greene-Bücher gelesen hat, sollte sich gleich alle drei Teile kaufen.

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


D. D. Everest: Archie Greene und das Buch der Nacht
Loewe-Verlag, ISBN 978-3-7855-8879-6, Preis: 14,95 Euro [D]

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Bradley Beaulieu: Die Zwölf Könige

Im September 2017 ist bei Knaur das Taschenbuch "Die Zwölf Könige - Die Legenden der Bernsteinstadt" von Bradley Beaulieu erschienen. Es ist der Beginn einer Trilogie und bereitet auf 682 Seiten die geplanten Folgebände vor. Ob sich die Lektüre lohnt, verrate ich in diesem Beitrag.

Bradley Beaulieu,
Die Zwölf Könige

Die Geschichte


Eine archaisch anmutende Stadt inmitten einer riesigen Wüste, regiert von zwölf Königen und ihren "Klingentöchtern" ist der Schauplatz der Geschichte. Während die Könige in ihren Palästen über der Stadt thronen, lebt ihr Volk um sie herum nicht überall so gut. Das Leben in der Stadt ist geprägt von Kampfspielen auf Leben und Tod in den "Gruben", den Armenvierteln, Streitigkeiten mit den ursprünglichen Wüstenvölkern und den immer wiederkehrenden Nächten, in denen die Könige durch unheimliche, wie Untote wirkende Gestalten Menschen "ernten" lassen.

In diversen Rückblenden begleiten wir die Protagonistin Ceda, die als Waise zunächst bei einem Apotheker aufwächst und sich später als Diebin und Kämpferin in den Gruben durchschlägt. Ihre Mutter wurde von den zwölf Königen hingerichtet. Wenig ist Ceda von ihrer Mutter geblieben: Unter anderem ein Tagebuch mit rätselhaften Versen. Die junge Kämpferin versucht, das Geheimnis der Verse und das Rätsel um ihre Herkunft zu lüften. Dabei spielen die Könige eine große Rolle, sind sie doch für den Tod ihrer Mutter verantwortlich. So sinnt Ceda auf Rache.

Garniert wird die Geschichte mit diversen Götter-Sagen, furchteinflößenden Untoten, Blutmagiern, Sandschiffen, einer Art verwunschenem Garten mit magischen Bäumen und vielen anderen Details.

Mein Eindruck


Mir ist es nicht gelungen, mich in der Geschichte zu verlieren. Die Rückblenden, die immer wieder eingestreut von Cedas Kindheit berichten, die vielen Figuren und Details - das wird sicher den einen oder anderen Leser fesseln. Doch hier hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte - gerade als Auftakt einer Trilogie - eine Straffung nötig hätte. Am Ende war ich von der Geschichte eher erschöpft wie von einem Wüstenmarsch als durstig nach mehr.

Mein Fazit: Sicherlich kein schlechtes Buch, aber mir persönlich ist der Spannungsbogen zu lang gespannt mit zu wenig Höhepunkten.

Bibliographische Angaben und Bezugsquellen


Knaur Verlag, Taschenbuch, 682 Seiten
ISBN-13 978-3-426-51817-5, 16 Euro [D]

Marilee Adams: Question Thinking

Das Buch "Question Thinking" von Marilee Adams handelt von der Kunst, die richtigen Fragen zu stellen - so auch der Untertitel des Ratgebers aus der Reihe dtv premium. Doch was sind die "richtigen" Fragen? Und welchen Ansatz verfolgt die Autorin, die weltweit Unternehmen sowie staatliche und private Organisationen berät?

Marilee Adams: Question Thinking

Richtiges Fragen führt zum Ziel


Den Kernpunkt des Question Thinking (oder kurz: QT) formuliert die Autorin an einer Stelle wie folgt: Mit unseren Fragen erschaffen wir die Welt.

Jeder von uns kennt die selbstzweiflerischen Fragen, die Suche nach den Schuldigen für einen Misserfolg, das Infragestellen der eigenen Leistung. Diese Fragen ordnet die Autorin dem "inneren Kritiker" zu, den es zu akzeptieren und vermeiden gilt.

Denn diese Fragen führen uns auf dem "Kritikerpfad" geradewegs in den "Kritikersumpf", aus dem wir nur schwer wieder herauskommen und der uns nicht weiterbringt. Wir stecken fest und kreisen immer wieder um alte Probleme, finden keine neuen Perspektiven und Lösungsansätze.

Im Gegensatz dazu helfen uns bestimmte Fragetypen, den sogenannten "Lernpfad" zu betreten und verfolgen. Sind wir doch mal auf dem Holzweg gelandet, sollen wir mittels "Umschaltfragen" rechtzeitig vom Kritikerpfad auf den Lernpfad zurück wechseln.

Laut Autorin begleiten uns auf dem Lernpfad Fragen wie: Was ist passiert? Was will ich? Wovon gehe ich aus? Was ist möglich? Was denken, fühlen und wollen die anderen?

Das ganze Konzept des "richtigen Fragens" verpackt die Autorin in eine Geschichte über Ben, den selbst ernannten "Antworten-Mann". Er gerät in eine berufliche (und private) Krise, als er die Führung eines Teams übernimmt. Schon bald muss er feststellen, dass er mit seiner Führungsrolle nicht zurecht kommt, das Team unter seiner Leitung überhaupt keine produktiven Ergebnisse bringt. Auch sein Privatleben, das Verhältnis zu seiner Frau, leidet unter seiner beruflichen Anspannung und seiner aufkommenden Verzweiflung. Als er schon kündigen will, schickt ihn seine Chefin zu einem ganz besonderen Coaching, das ihm sowohl beruflich als auch privat viele neue Wege und Perspektiven eröffnet.

Den Abschluss des Buchs bildet unter anderem das "Arbeitsbuch Question Thinking" mit einer Aufstellung von 12 QT-Werkzeugen für Beruf und Privatleben.

Meine Meinung und Fazit


Man merkt dem Buch seinen amerikanischen Ursprung an. Der Grundgedanke, sich die eigenen Fragen und Zweifel bewusst zu machen, um dann mit offenen Fragen neue Perspektiven zu gewinnen, ist gut und richtig. Den inneren Kritiker zu akzeptieren, um dann durch QT-Fragetechniken bewusst einen anderen Weg einzuschlagen - prima.

Allerdings finde ich persönlich die "Choice Map", auf die immer wieder verwiesen wird, weder so eingängig noch so hilfreich, wie sie im Buch dargestellt wird. Auch die "Tools" am Ende des Buches mit ihren "Übungen" - so wirklich neu und innovativ empfinde ich das nicht. Zudem ist durch die Übersetzung aus dem im Original als "ABCD" bezeichneten Prozess der "BASE"-Entscheidungsprozess geworden, den ich eher schwerer zu merken finde.

Aber letztlich muss jeder für sich selbst herausfinden, ob er mit dieser Methode zurecht kommt. Zumindest ist das Question Thinking ein Ansatz und eine Methode, sich neue Perspektiven zu schaffen, wenn man gedanklich und emotional feststeckt oder sich festzufahren droht.

Der Rest des Buches ist (natürlich) eine kleine Werbeveranstaltung für das hauseigene Institut und Coaching-Angebot der Autorin. Die 219 Seiten sind schnell gelesen, hätten aus meiner Sicht aber um einiges gestrafft werden können.

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Marilee Adams, Question Thinking - Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen
dtv premium, ISBN 978-3-423-26154-8, 219 Seiten, Preis: 15,90 Euro [D]

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