Hilary Freeman: Mein schönes falsches Leben

Quantentheorie, Schrödingers Katze, Parallelwelten, eine rätselhafte alte Frau - von all dem ahnt die Protagonistin Ella nichts, als sie eines morgens aufwacht und in ihrem Leben fast alles anders ist, als es am Tag davor war.

Hilary Freeman: Mein schönes falsches Leben
Hilary Freeman:
Mein schönes falsches Leben
Ihre Eltern haben sich nicht getrennt, sie ist eine Einser-Schülerin und hat einen völlig anderen Freundeskreis. Aber sie geht noch zur gleichen Schule, wohnt noch im selben Haus und erinnert sich noch sehr gut an ihr bisheriges Leben - das es aber für alle anderen nicht mehr zu geben scheint. Auch an einen Autounfall, in den sie vor einigen Wochen verwickelt war, kann sie sich nicht erinnern.

Sie versucht, ihr altes Leben zurück zu bekommen, doch das gelingt ihr nur zum Teil. Ist sie verrückt geworden? Bildet sie sich das alles nur ein? Ist es die Folge des Unfalls? Doch woher weiß sie dann so viele Dinge über Menschen, die sie angeblich gar nicht kennt?

Ein Physik-Student, der an ihrer Schule als Assistent arbeitet, glaubt ihr und entwickelt eine Theorie. Doch die angebliche Lösung ihres Problems stellt sie schließlich vor eine schier unmögliche Wahl. Will sie ihr altes Leben wirklich um jeden Preis zurück?

Meine Meinung und Fazit


Die Idee von unendlich vielen Paralleluniversen, die in dem Moment entstehen, wenn wir in unserem Leben eine Entscheidung treffen, bildet den Hintergrund dieser Geschichte. Doch bis die Geschichte an diesem Punkt ankommt, las sie sich für mich etwas zäh - was sicher auch dem Fakt geschuldet sein mag, dass sie sich an Leser ab 13 Jahren richtet und im englischen Schulalltag angesiedelt ist. Sollte ich es in Schulnoten ausdrücken, würde ich eine "Drei minus" vergeben. Ein schönes Detail ist allerdings das Ende der Geschichte, das nicht eindeutig ist, sondern die Möglichkeit von Paralleluniversen wieder aufgreift, in denen eine Entscheidungsmöglichkeit zu vielen Verzweigungen führen kann.

Daher mein Fazit: Für jugendliche Leser sicher eine spannende Lektüre, für ältere Semester weniger interessant.

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Hilary Freeman: Mein schönes falsches Leben
Loewe-Verlag, 336 Seiten, Softcover
ISBN 978-3-7855-8448-4, Preis: 14,95 € [D]

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Graeme Simsion: Der Mann, der zu träumen wagte

Die große Liebe von vor zwanzig Jahren - nie vergessen, aber im Laufe des Lebens in unerreichbare Ferne verschwunden. So scheint es zumindest zu sein, bis sie sich eines Tages wieder meldet.

Und so stellen sich die Fragen, die sich wohl jeder Mensch nach dem Ende einer Liebesbeziehung stellt: Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich mich damals anders verhalten, andere Entscheidungen getroffen hätte? Können wir da wieder anknüpfen, wo unsere Verbindung damals endete? Wollen wir das überhaupt? Ist da noch etwas?

Graeme Simsion: Der Mann,
der zu träumen wagte

Das Buch und sein Inhalt


Adam Sharp ist IT-Berater und reist in jungen Jahren durch die Welt. In Australien lernt er Angelina kennen. Zwischen beiden funkt es. Und obwohl sie noch verheiratet ist, lassen sich beide auf eine intensive Liebesbeziehung ein. Beide betonen, dass es ganz unverbindlich sei und nur auf Zeit. Doch beide spüren, dass sie mehr verbindet.

Als Adam jobbedingt weiterreisen muss, endet ihre Liebesbeziehung. Ein paar Briefe gehen noch hin und her, dann ist es vorbei.

Rund zwanzig Jahre später: Adam ist mit Claire zusammen und lebt wieder in England. Doch aus ihrer Beziehung ist Alltag geworden, Gewohnheit. Sie schlafen in getrennten Schlafzimmern, jeder ist mit seiner Arbeit beschäftigt, sie verlieren den Blick füreinander.

Und dann erhält Adam eine E-Mail von Angelina, die ihn mehr aufwühlt, als er sich zunächst eingestehen will. Plötzlich fühlt er sich wieder lebendig, jung und die Erinnerungen überfluten ihn.

Angelina ist verheiratet, hat drei Kinder - aber sie flirtet mit ihm, obwohl - oder gerade weil - sie in Australien fast unerreichbar fern scheint. Und Adam spürt, dass ihn die Erinnerung an seine große Liebe nie losgelassen hat. Kann er jetzt nachholen, was er damals versäumt zu haben glaubt?

Dann macht ihm Angelina ein Angebot, das für ihn verlockend und verwirrend zugleich ist. Wie wird er sich entscheiden?

Meine Meinung


Toll geschrieben, mit vielen überraschenden Wendungen und wunderbar verbunden mit diversen Musikstücken, deren Playlist am Ende des Buches zu finden ist. Jedes Paar kennt wohl diese Erinnerungen: "unser Lied" - und hier gibt es jede Menge Lieder, die Adam am Klavier spielt, mit Angelina oder anderen Menschen singt und die eine Bedeutung für die jeweilige Situation haben.

Das ist nicht nur ein nettes Detail, sondern ein wichtiger Bestandteil der Geschichte - und wenn man den jeweiligen Song kennt und in Gedanken beim Lesen schon hört, wird die Emotionalität der Geschichte noch größer und packender. Darum sei diese Geschichte allen ans Herz gelegt, die in der Liebe noch zu träumen wagen!

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Graeme Simsion: Der Mann, der zu träumen wagte
S. Fischer Verlag, ISBN 978-3-8105-3031-8

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Ratgeber zum Thema Eigentümerversammlung

Über Eigentümerversammlungen gibt es unterschiedliche Meinungen: Manche halten sie für anstrengend, langweilig und nutzlos, andere sehen darin ein notwendiges Übel oder die Chance, wenigstens einmal jährlich über die Regeln des Zusammenlebens in einer Hausgemeinschaft zu sprechen. Aber gerade im Bereich der Eigentümerversammlung gibt es immer wieder Stolperfallen, ungültige oder anfechtbare Beschlüsse, Formfehler in der Einladung.

Die Eigentümerversammlung - Bild: © Grabener Verlag GmbH
Die Eigentümerversammlung
Bild: © Grabener Verlag GmbH
Der Ratgeber von Volker Bielefeld versucht in straffer Form auf rund 100 Seiten alle wichtigen Punkte zusammenzufassen, die für die korrekte und erfolgreiche Durchführung einer Eigentümerversammlung notwendig sind. Von der Einladung bis zur Beschluss-Sammlung wird der rechtssicher Ablauf dargestellt - mit vielen Verweisen auf Gesetztestexte und Gerichtsurteile. Musterformulare, ein Abkürzungs- und Stichwortverzeichnis runden das Buch ab.

Laut Vorwort richtet sich das Buch sowohl an interessierte Laien als auch an Fachleute, die ihr Wissen auffrischen möchten. Lesbar und verständlich sind die Texte in jedem Fall. Was ich mir allerdings gewünscht hätte, wären in den einzelnen Kapiteln nicht nur Verweise auf Gesetzestexte, sondern auch die konkrete Umsetzung zu lesen. Ein Beispiel: Im Kapitel 9 wird die Eventualeinladung erläutert und darauf hingewiesen, dass für die Zulässigkeit "eine Vereinbarung nach § 10 Abs. 2 Satz 2 WEG" notwendig ist. Leider fehlt hier ein Beispiel, wie eine solche Vereinbarung aussehen kann und soll.

Mein Fazit


Dieser Ratgeber bietet in kompakter Form wesentliche Informationen zum Thema "korrekte Durchführung einer Eigentümerversammlung". Auch für Laien kann dies als Ausgangspunkt zur Klärung offener Fragen dienen. Leider fehlen mir - trotz der vorhandenen Musterformulare - an einigen Stellen praktische Umsetzungsbeispiele.

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Die Eigentümerversammlung – wo, wann und wie
Praktischer Ratgeber für Wohnungseigentümer, ­Beiräte und Verwalter zur erfolgreichen Durchführung von Eigentümerversammlungen mit Erklärungen, Tipps, Mustern und rechtlichen Darstellungen
3. Auflage 2017 | 21,00 Euro [D] | ISBN 978-3-925573-750
Autor: Volker Bielefeld | Herausgeber und Vorwort: Dipl.-Ing. Michael Groh und Dipl.-Jur. Paul Tihor | WVI Wissenschaftsverein Immobilienwirtschaft e.V. | ca. 100 Seiten | Broschur | Grabener Verlag GmbH
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Traci Chee: Ein Meer aus Tinte und Gold

Ein Buch, das auf vielen Ebenen zu bezaubern weiß: Traci Chee, Ein Meer aus Tinte und Gold - erschienen im Carlsen Verlag. Dieses Buch ist der Auftakt einer Reihe, deren Titel "Das Buch von Kelanna" lautet und das Fantasy-Freunde auf ihren Wunschzettel schreiben müssen.

Traci Chee: Ein Meer aus Tinte und Gold
Traci Chee: Ein Meer aus Tinte und Gold

Der Inhalt ...


Sefia lebt in einer Welt, in der fast niemand das geschriebene Wort und Bücher zu kennen scheint. Seit dem Tod ihrer Eltern ist Sefia mit ihrer Tante Nin auf der Flucht. Die beiden halten sich durch kleinere Diebstähle über Wasser.

Doch dann wird Nin brutal entführt und Sefia ist auf sich allein gestellt. Als einziges Andenken an ihre Eltern trägt sie ein Buch mit sich herum, auf das es die Entführer abgesehen haben. Nach und nach entdeckt das Mädchen die Geheimnisse und die Magie, die in diesem Buch schlummern. Und sie sinnt auf Rache für die Morde an ihren Eltern und die Entführung ihrer Tante.

... und mein Eindruck


Piraten, geheime Bibliotheken, übermächtige Kämpfer in einer mittelalterlich anmutenden Welt - hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Doch die vielen Teile fügen sich stimmig in die Geschichte ein.

Nicht nur die Geschichte sondern auch die Gestaltung der Buchseiten, des Schutzumschlags sowie die Ausstattung mit dem Lesebändchen sind gelungen. Geradezu magisch spielt sich die Geschichte auf verschiedenen Ebenen ab.

Es gibt viele kleine Details, die zu entdecken Freude macht: Geschwärzte Stelle, die man erst zum Ende der Geschichte hin versteht. Scheinbar willkürlich verteilte Flecken, die wie Tintenspritzer wirken, aber eine Bedeutung haben. Hervorgehobene Buchstaben im Text und Worte neben den Seitenzahlen, die parallel zur eigentlichen Geschichte den Erzählfaden aufnehmen und auf einer eigenen Ebene verlaufen lassen.

Der erste Hinweis findet sich in Form einer "handschriftlichen Notiz" zu Beginn des Buches: "Dies ist ein Buch. Du bist der Leser. Sieh genau hin. Hier ist Magie am Werk."


 


Und an manchen Stellen beginne ich als Leser mir förmlich selbst beim Lesen zuzusehen: Als Sefia entdeckt, dass ihre eigene Geschichte in ihrem geheimnisvoll magischen Buch zu finden ist und sie sich fragt, ob sie vielleicht auf eine Seite stoßen mag, bei der sie liest, wie sie liest, wie sie liest, ... so als blicke man in einen Spiegel, in dem sich ein Spiegel spiegelt. Schwindlig geworden bei der Vorstellung?

Gegen Ende der Geschichte laufen einige Fäden zusammen und ergeben ein Bild. Aber es bleiben auch Fragen offen - quasi als Cliffhanger für die (mögliche) Fortsetzung der Reihe. Ich bin gespannt!

Mein Fazit


Wer Lust auf eine vielschichtige Fantasy-Lesereise hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es gibt viele Details zu entdecken, so dass es sich lohnt, das Buch ein zweites oder auch drittes Mal zu lesen oder wenigstens durchzublättern. Eine magische Lesereise in gelungen schöner Ausstattung!

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Traci Chee, Ein Meer aus Tinte und Gold
Carlsen-Verlag, 2. Auflage 2017,
ISBN 978-3-551-58352-9, 17,99 Euro [D]

Kevin Sands: Der Blackthorn Code

Gleich mit seinem ersten Buch weiß Kevin Sands zu begeistern: "Der Blackthorn Code - Das Vermächtnis des Alchemisten" wird von einigen Rezensenten bereits als "der Da Vinci Code für junge Leser" bezeichnet. Und dieser Vergleich ist gar nicht verkehrt, wie ich finde.

Die Geschichte


Kevin Sands: Der Blackthorne Code - Das Vermächtnis des Alchemisten
Kevin Sands: Der Blackthorn Code -
Das Vermächtnis des Alchemisten
London im Mai 1665: Christopher Rowe ist ein Waisenjunge, der das Glück hat, von einem liebevollen und bibliophilen Apotheker als Lehrling ausgesucht zu werden. Umgeben von Büchern, Pulvern und Elixieren lernt Christopher jeden Tag neue faszinierende Dinge, auch wenn das Leben in dieser Zeit für ein Kind in seiner Lage alles andere als angenehm ist.

Zum Glück gehört sein Lehrherr, Apotheker-Meister Benedict, nicht zu denen, die ihre Lehrlinge körperlich züchtigen. Aber abgesehen von den Zeiten, in denen er liest und lernt, gehört es zu seinen Aufgaben als Lehrling, den Laden aufzuräumen, zu putzen und die Kundschaft zu bedienen. Dabei macht er - zumeist in bester Absicht - allerlei Dummheiten.

Doch in London fordert eine grausame Mordserie immer mehr Opfer, auch unter den Apothekern. Dafür verantwortlich sein soll der mysteriöse Kult des Erzengels. Was es damit auf sich hat und ob auch Christophers Meister in Gefahr ist, das weiß der junge Lehrling zunächst nicht - bis sein Meister sich plötzlich seltsam verhält.

Zum Glück hat er seinen Freund Tom, den Sohn eines Bäckers, der immer an seiner Seite ist - egal, ob Christopher "mal wieder" Unsinn im Kopf hat oder in Gefahr gerät. Und schon sehr bald gerät er in tödliche Gefahr und sein ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt.

Meine Meinung und Fazit


Zwar ist das Buch für junge Leser geschrieben, aber auch Erwachsene werden ihre Freude daran haben. Die Ereignisse spielen zwischen dem 28. Mai und dem 21. Juni des Jahres 1665 und wir erfahren ganz nebenbei viel über die damals vorherrschenden Lebensumstände in London.

Zugleich wirkt das Buch aber erstaunlich modern, geht es doch um Verschlüsselung, in Rätseln versteckte Rätsel, raffinierte Apparaturen. Und auch wenn die damalige Medizin in manchen Bereichen noch eher tödliche Behandlungsmethoden wählte, wie zum Beispiel die Gabe von Quecksilber, so wirkt das systematische Forschen der damaligen Zeit kaum weniger faszinierend als die moderne Forschung.

Angereichert mit einigen Codes und Rätseln, raffinierten Apparaturen und alchemistischen Zutaten hat Autor Kevin Sands eine spannende, mit vielen unerwarteten Wendungen versehene Geschichte zu Papier gebracht. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, der Spannungsbogen durchgehend. So macht es Spaß, die 330 Seiten möglichst in einem Rutsch zu lesen!

Eine ganz klare Lese-Empfehlung für alle, die Rätsel, Codes, Historisches und nahezu magisch spannende Geschichten mit jungen Protagonisten mögen!

Bibliographische Angaben und Bestellmöglichkeit


Kevin Sands, Der Blackthorn Code - Das Vermächtnis des Alchemisten
dtv Hardcover, 330 Seiten, ISBN 978-3-423-76148-2, Preis: 15,95 Euro (D)

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